Erst den gemeinsamen Rhythmus finden
Wir waren wieder in Albanien. Über eine Woche lang standen zahlreiche Schluchten auf unserem Programm. Wir begannen bewusst mit leichteren Touren, um als Team unseren Ablauf zu finden: miteinander arbeiten, sich abstimmen und ein Gefühl dafür entwickeln, wie die anderen unterwegs sind.
Mit jedem Tag wuchs dieses Zusammenspiel. Es braucht Zeit, bis aus einzelnen Menschen ein Team wird, das sich auch dann versteht, wenn die Umgebung anspruchsvoller wird. Und dieses Team war herausragend.
Vertrauen heißt, Verantwortung füreinander zu übernehmen
In einer Schlucht musst du dich aufeinander verlassen können. Wir vertrauen einander unser Leben an. Für mich ist das keine große Formulierung für einen schönen Reisebericht. Es beschreibt die Verantwortung, die wir gemeinsam tragen.
Dazu gehört auch, Fehler anzusprechen. Fehler passieren. Entscheidend ist, dass wir offen damit umgehen, daraus lernen und Konsequenzen ziehen. Dafür braucht es Menschen, denen du vertrauen kannst – und die dir genauso ehrlich begegnen.
Die Gespräche beim Abendessen
Es gibt für mich kaum etwas Schöneres, als nach einem Tag in der Schlucht beim Abendessen mit Freunden zusammenzusitzen und zu reflektieren: Was ist heute passiert? Was hat gut funktioniert? Wo hätten wir aufmerksamer sein können?
Persönliche Befindlichkeiten, aufgesetzte Führungsrollen und Möchtegernhelden bringen uns dabei nicht weiter. Wir wollen miteinander Canyoning gehen, einander zuhören und gemeinsam besser werden. Genau diese Offenheit macht aus Touren gemeinsame Erlebnisse. Und aus gemeinsamen Erlebnissen entstehen Freundschaften, die weit über das Canyoning hinausreichen. Manche Erfahrungen verbinden einen für immer.
Ademit: eine Herausforderung, die uns wieder anzog
Eine der anspruchsvollsten Routen, die wir uns vorgenommen hatten, führt durch die Ademit-Schlucht unweit von Tepelenë. Eine Tour, die sich nur schwer in einen einzigen Tag packen lässt. Schon etwas Unvorhergesehenes kann bedeuten, dass es dunkel wird, bevor man wieder aus der Schlucht heraus ist.
Gerade diese Herausforderung reizte uns. Wir wollten die Tour auch bei unserer zweiten Expedition wieder angehen, planten sie und stiegen ein. Wir kannten unser Ziel. Dann änderte sich das Wetter.
Wenn das Wort eines Freundes Gewicht hat
Der Wetterumschwung stellte das Team auf die Probe. Angesichts des bevorstehenden Starkregens mussten Entscheidungen getroffen werden, um der drohenden Gefahr auszuweichen. Der ursprüngliche Plan musste neu bewertet werden.
Dann fällt dieser Satz eines Freundes: „Hey, heute nicht mehr. Das hat keinen Sinn mehr.“ Worte, die Gewicht haben. Worte, die dich aus dem Sog der Herausforderung herausholen und den Blick wieder auf das lenken, was gerade zählt.
Wir mussten einander zuhören und die Konsequenz ziehen, unsere geplante Ademit-Tour abzubrechen. Für mich zeigt sich genau darin, was dieses Team ausmacht: Vertrauen gilt auch dann, wenn ein Freund etwas sagt, das du in diesem Moment vielleicht nicht hören möchtest.
2027 kommen wir wieder
Die Ademit bleibt ein Ziel. Deshalb wollen wir nächstes Jahr, 2027, ein drittes Mal nach Albanien fahren und sie wieder anpeilen. Mit neuer Planung und einer Entscheidung vor Ort, die zu den Bedingungen passt.
Was wir von dieser zweiten Expedition mitnehmen, geht längst über eine Liste begangener Schluchten hinaus. Es sind die Gespräche, die gemeinsamen Entscheidungen und das Wissen, dass wir füreinander da sind. Die Erlebnisse bleiben. Die Freundschaften auch.
Wir kommen wieder. Weil wir Freunde sind. ❤️


